Innovationen aus dem Kinderzimmer

Von anderen lernen – zu Besuch bei den Fischerwerken

Vor einigen Wochen durfte ich im Rahmen der Netzwerktreffen des Wirtschaftsmagazins Impulse zu Gast bei den Fischerwerken in Tumlingen im Schwarzwald sein. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Geschäftsführer Marc-Sven Mengis, der aktuell den Vorsitz der Geschäftsführung der Firmengruppe Fischer übernommen hat und Herrn Wolfgang Pott, der die Unternehmenskommunikation leitet. Gleich die erste Frage des Geschäftsführers lautete „wer von Ihnen kennt die Marke Fischer?“. Alle 30 Anwesenden strecken die Arme in die Höhe. Die nächste Frage galt, welchen Bezug die Teilnehmer zu Fischer haben.

Die meisten haben einen Bezug zum Spielzeug

Geschichten von ersten Tüfteleien, bis hin zu selbstgebauten Selbstschutzanlagen, welche das eigene Kinderzimmer vor fremden Eindringlingen, meist Geschwister, mittels gummiertem Wurfgeschoss verteidigten. Herr Mengis nutze die Gelegenheit und berichtet, dass der Anteil am Gesamtumsatz gar nicht so hoch sei. Die Umsätze werden im technischen Bereich bei Dübeln und innovativen Befestigungen generiert. Fischer sorgt weltweit dafür, dass weder in den Emiraten, noch in Asien, Europa oder in Amerika schwere Glas- oder Marmorplatten sich von Gebäuden lösen und abstürzen. Dazu braucht es Know-how und Innovationen wenn es darum geht, diese Befestigungselemente nach außen unsichtbar erscheinen zu lassen. Das war schon sehr beeindruckend.

Verschwendung vermeiden

Das Unternehmen hat es geschafft, ihre Produkte so herzustellen, dass es nur einen ganz geringen Anteil an Verschwendung gibt. Mit Verschwendung bezeichnet man bei Fischer die Zeit, die keinen Beitrag zur Wertschöpfung bringt. Zeiten für Suchen, Leerläufe u.a.. Seniorchef Klaus Fischer predigt diese Philosophie und brandmarkt die Mitarbeiter weltweit mit der Unternehmensphilosophie „Sei innovativ, eigenverantwortlich und seriös”. Und das verinnerlicht bei Fischer nahezu jeder im In- und Ausland. Die Kennzahlen zur Verschwendung hängen für jeden Mitarbeiter einsehbar an jeder freien Stelle. Fischer hatte dafür eine Abteilung ins Leben gerufen, die alle Abteilungen und Mitarbeiter darin berät, diese Verschwendungszeiten zu reduzieren.

Das führte vor lauter Erfolg auch noch dazu, dass daraus eine sehr erfolgreiche und eigenständige Beratungsgesellschaft entstanden ist, die weltweit andere Unternehmen darin berät. Ich selbst überlege mir in diesem Moment, ob es nicht auch in meinem Unternehmen sinnvoll wäre, der Verschwendung auf den Grund zu gehen. Notizen helfen mir, diesen Punkt nicht zu vergessen, denn es geht schnell weiter mit Ideen und Projekten, die Fischer umsetzt und am Ende sind es 3 Seiten Notizen, die es zu sondieren gilt. Wo einen Anfang finden? Schnell erinnere ich mich an die eigentliche Tagesordnung.

Regionale Verantwortung

Und in diesem Bereich ist Fischer ebenfalls stark. Eigentlich dachte ich, dass es für dieses Unternehmen kein Problem sein sollte, Fachpersonal zu rekrutieren, da in einer ländlichen Gegend doch idealerweise jeder gerne beim größten Arbeitgeber arbeiten möchte. Doch diese Annahme scheint nur nach außen so, erläutert Marc-Sven Mengis zu diesem Punkt. Da es in dieser ländlichen Region zahlreiche Weltmarktführer gibt und die meisten von ihnen, sogenannte Hidden Champions, durch ihre hervorragende Auftragslage und steigenden Personalbedarf auf die gleiche Klientel angewiesen sind wie Fischer, ist es ein ständiger Wettbewerb um Mitarbeiter. Jetzt wird es spannend und der Lernerfolg setzt ein.

Was unternimmt also Fischer, um in diesem Wettbewerb die Nase vorn zu haben?

Früh schon werden durch eigens initiierte Projekte in Kindergärten, Kinder spielerisch gefördert. Dabei hilft wieder das Spielzeug und schafft erstes Vertrauen in die Marke. Daneben gibt es zahlreiche soziale Projekte vom Märchenvorleser-Camp, Kinder entdecken Wirtschaft, gemeinsames Tüfteln der Fischer-Azubis mit Behinderten und Projekte mit Stiftung Lesen, wo Mitarbeiter 1x pro Woche eine Geschichte im Intranet vorfinden, die sie zuhause ihren Kindern vorlesen können.

Alles Herzensangelegenheiten von Klaus Fischer und mittlerweile auch von vielen anderen Mitarbeitern.

Für Mitarbeiter gibt es ein ausgeklügeltes Talentpool. In verschiedenen Levels werden Mitarbieter vom ersten Tag an weiterentwickelt und auf höhere Aufgaben vorbereitet. Das hilft dem Unternehmen sehr. Die Fluktuation ist sehr gering.

Die wichtige Erkenntnis dieses Tages besteht darin, dass es sich genausowenig große Unternehmen und Weltmarktführer leisten können, sich auf irgendetwas auszuruhen, was man sich einredet. Tag für Tag sind hier Herausforderungen zu meistern, um die Prozesse und die Gecshäftsmodelle stabil zu halten. Das motiviert mich, denn wieder bekomme ich das Gefühl, dass es anderen genauso geht wie mir.

Wie beruhigend, aber bitte nicht ausruhen!

Frank Duvernell